Pumpwerk Siegburg
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Das Pumpwerk - ein Rückblick

Das Pumpwerk als ein Kunst- und Kulturzentrum im Rhein-Sieg-Kreis

Der Kunstverein für den Rhein-Sieg Kreis e.V. war ursprünglich in den Räumen der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung beheimatet in Sankt Augustin. Mitte 1995 erfuhr der Verein jedoch, dass er aus diesem Gebäude bis zum Ende des Jahres ausziehen müsse, da die neue Fachhochschule diese Räume benötigte.

Daraufhin offerierten die Städte Troisdorf, Hennef und Siegburg dem Kunstverein einen neuen Sitz. Die Kreisstadt Siegburg bot dabei „die weitaus attraktivste Aussteuer an: das alte Pumpwerk an der Siegbrücke“ (General-Anzeiger vom 26.10.1995). Gemeinsam mit der Stadt Siegburg beschloß der Kunstverein, das ehemalige Pumpwerk zu einem neuen Domizil für zeitgenössische Kunst auszubauen.

Eingang zum Pumpwerk

Eingang zum Pumpwerk
während des Umbaus
im April 2001

Entstehung, Geschichte und ursprüngliche Funktion des Pumpwerks

Das Pumpwerk, das die Stadt Siegburg bei starkem Regen vor Hochwasser geschützt hat, liegt an der Bonner Straße in der Nähe der Brücke über die Sieg. Es wurde in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre von der Süddeutschen Abwasser-Reinigungsgesellschaft erbaut und war bis 1989 in Betrieb. Wegen eines neuen Abwasserentsorgungs-Konzeptes wurde es danach nicht weiter benötigt. In den folgenden Jahren war es ungenutzt und verfiel zusehends. Nachdem nun feststand, dass das Gebäude der neue Sitz des Kunstvereins werden sollte, bekam das Pumpwerk nach einem aufwändigem Umbau eine völlig neue Aufgabe.

Das Pumpwerk an der Sieg wurde nicht wie üblich in eine Grube versenkt, sondern besteht aus einem oberirdischen Gebäude und einem Absenkbrunnen (Senkgraben), der zwei Stockwerke in die Tiefe geht. Dieses war aufgrund des hohen Grundwasserspiegels und der Lage unmittelbar an den Sieg-Auen erforderlich. Ursprünglich bestand der oberirdische Teil des Pumpwerks aus einem schlichten Ziegelsteinbau mit Glasbausteinen und einem Flachdach. Unterirdisch befanden sich ein Zwischengeschoss und darunter zwei Pumpensümpfe mit einem Motoren- und Schaltraum. Die Tiefe des unterirdischen Gebäudeteils beträgt etwa neun Meter.

Eine Zulaufrinne, die sich im Untergeschoss befindet, leitete das Wasser vom außerhalb liegenden Sammler durch das Pumpwerk. Während des Trockenwetterabflusses und gleichzeitigem Hochwasser der Sieg wurden die Schmutzwässer des Sammlers direkt zur Kläranlage geleitet. Dieser Sammler war in der Lage, rund 1.750 Liter Wasser pro Sekunde aufzunehmen. Damit bei einer Überlastung der Kanalisation durch übermäßigen Regenfall oder Hochwasser das überfließende Wasser nicht in die Umgebung abfloß, wurde dieses dann über die Zulaufrinne in das Pumpwerk weitergeleitet.

In diesem Fall, d.h. wenn die abzuführende Wassermenge durch einen Rückstau der Sieg nicht abfließen konnte, trat automatisch das Pumpwerk in Betrieb. Dazu wurden die Einlaufschützen der Zulaufrinne selbständig geöffnet. Gleichzeitig mit dem Öffnen der Schützen schloss sich der Hochwasserschieber. Sowohl Einlaufschützen als auch Hochwasserschieber waren durch Schwimmer gesteuert. Dadurch konnte das Wasser direkt in den ersten Pumpensumpf fließen. Bei besonders starkem Wasserandrang wurde ein Überlauf der Pumpen I und II in den zweiten Pumpensumpf geregelt. Pumpe III sorgte über Druckleitungen für das komplette Abpumpen des Wassers aus dem Pumpwerk zurück in den Oberstrom der Sieg. Zusammen bewältigten die drei Pumpen maximal 2.100 Liter Wasser pro Sekunde.

Fensterfront des Pumpwerks

Fensterfront des Pumpwerks
im April 2001

Argumente für das Pumpwerk als Ausstellungs- und Veranstaltungsort

Vor Beginn des Umbaus 1995 glich das stillgelegte Pumpwerk einem kleinen, ausgesprochen hässlichen Klotz. Dieser Zweckbau wurde schließlich nicht für das Auge gebaut. „Im Inneren war es feucht und dunkel. Die schweren Maschinen rosten vor sich hin. [...] Überall hängen Kabel und Ketten [...] die Wände schimmeln,“ schrieb damals der General-Anzeiger.

Trotz dieser Eindrücke sah der damalige Vorsitzende des Kunstvereins, Helmut Frotz, mehrere Vorteile:

„Leer geräumt stehen uns schätzungsweise 150 Quadratmeter zur Verfügung, dreimal so viel wie [zuvor] in Sankt Augustin. Zudem sind die Wände sehr hoch. Das kommt uns sehr entgegen.“ äußerte er sich im General-Anzeiger. Aber er sah nicht nur Vorteile in der Architektur des Pumpwerks, sondern auch in deren günstiger Lage und den guten Verkehrsanbindungen. Auch einige eigene Parkplätze stehen vor dem Gebäude zur Verfügung.

„Bei einer Ansiedlung in der Kreisstadt könnte sich eines Tages auch das Stadtmuseum als Forum für die jährlich stattfindende Kunstmesse, das bislang stets in Sankt Augustin ankernde Flaggschiff des Kunstvereins, anbieten“, äußerte sich der damalige Vorsitzende des Kunstvereins gegenüber der Rhein-Sieg Rundschau.

Zu diesem Zeitpunkt (1996) ging man davon aus, dass der Umbau und der Einzug in das neue Domizil bis zum September des selben Jahres abgeschlossen sein würde. Doch bis zur endgültigen Fertigstellung und Nutzung des Pumpwerks durch den Kunstverein war noch ein langer Weg zu bewältigen.

Treppen im Pumpwerk

Treppen im Innern des Pumpwerks

Der Umbau des Pumpwerkes

Die Stadt Siegburg erteilte zunächst wegen planerischer Bedenken die Genehmigung für den Umbau nicht. In einem Zeitungsartikel von 1996 hieß es: „Jetzt hofft man, Anfang 1997 zur ersten Kunstaktion ins Pumpwerk einladen zu können.“ Am 22. November 1996 teilte Helmut Frotz dann im General-Anzeiger mit, dass die „gesamten Umbaumaßnahmen bis Ende 1997 abgeschlossen sein sollen.“

Mit der Neugestaltung der Außenfassade konnte jedoch lange Zeit nicht begonnen werden, da zunächst das Nebengrundstück bebaut werden sollte. Nachdem dieser Bauplan wieder verworfen wurde, konnte mit erheblicher Verspätung der Umbau des Pumpwerks beginnen. Im oberirdischen Bereich wurden die Glasbausteine der gesamten Frontseite durch großzügige Fenster ersetzt, die einen optimalen Einblick auf die jeweilige Ausstellung ermöglichen.

Der unterirdische Bereich wurde vollständig entkernt, sollte aber nach dem Umbau im Wesentlichen unverändert bleiben. Anfang 1998, als die Umbaumaßnahmen bereits in vollem Gange waren, gab es eine Überraschung. Es stellte sich heraus, dass man beide Pumpensümpfe in das Gesamtkonzept einbeziehen konnte. Dies war in der bisherigen Planung nicht vorgesehen gewesen. Durch diese zusätzlichen Räume konnte die Nutzfläche auf mehr als 300 Quadratmeter verdoppelt werden.

Eines der schwierigsten Unterfangen beim Umbau war das Herausschneiden eines Teiles der 80 Zentimeter dicken Betonwand, die den Pumpenraum von den Pumpensümpfen trennte, um dort einen Durchgang zu schaffen. Da der Boden des Pumpenraumes tiefer lag als der der Pumpensümpfe, entschloss man sich, das Material der herausgenommenen Betonwand zu zerkleinern und in einer Aufstockung des Bodens zu verarbeiten.

Ein weiteres Problem bestand darin, dass nur eine Treppe ins Zwischengeschoss und in den Pumpenraum vorhanden war. Da diese Treppe zu den unterirdischen Ausstellungsräumen führen sollte, jedoch den Anforderungen eines Fluchtweges in öffentlichen Gebäuden nicht entsprach, musste eine zweite Treppe eingeplant werden. Durch diese Auflage hat der Besucher heute die Möglichkeit, die Ausstellungen in einem “Rundgang” zu besichtigen.

Ebenfalls 1998 begann die Planung für einen etwa 50 Quadratmeter großen Anbau zu ebener Erde mit einem separatem Eingang, in dem sich heute das Büro des Kunstvereins befindet. Außerdem mussten sanitäre Anlagen eingebaut werden. Äußerlich wurde dieser Anbau dem “Altbau” angeglichen.

Durchblick im Pumpwerk

Blick vom Untergeschoss
des Pumpwerks durch die
Bodenöffnungen ins Parterre

Eine Besonderheit des “alten” Pumpwerks, ein Lastkran, wurde als nützliches Relikt beibehalten. Mit Hilfe des Krans und der quadratischen Öffnungen im Boden des Parterres sowie des Zwischengeschosses (die normalerweise durch Gitter verschlossen sind), können auch sehr große Kunstobjekte in die verschiedenen Ebenen transportiert und ausgestellt werden.

Nach der Überwindung vieler Hürden konnte schließlich das neue Zuhause des Kunstvereins am 5. Mai 2001 eingeweiht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Und heute...

Seit dieser Zeit dient das Pumpwerk nun als Ausstellungsraum des Kunstvereines für den Rhein-Sieg-Kreis und wird darüber hinaus auf vielfältige Art und Weise genutzt. In regelmäßigen Ausstellungen präsentiert der Verein Bilder, Skulpturen, Installationen, Film- und Medienkunst sowie Performances, Design und Architektur. Darüber hinaus veranstaltet der Kunstverein Konzerte von Klassik über Weltmusik bis zum Jazz sowie Theateraufführungen, Workshops und Kleinkunst. Seit Mai 2003 wird an jedem ersten Sonntag im Monat auch Weltliteratur gelesen.

Text in Anlehnung an eine Kursarbeit von Kerstin Kratz (Albert-Einstein-Gymnasium, Sankt Augustin)