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Annette Leyener & Ewa Kaczmarczyk-Schmitz: 'Grosse Holzschnitte'
Ausstellung vom 22. August bis 2. Oktober 2009

Annette Leyener - Holzschnitte

Zusammenfassung eines Textes von Ulli Seegers

Holzschnitt ist etwas sehr Elementares, er macht den Holzdruck erst möglich. Das Verfahren operiert mit den grundlegenden Gestaltungsmitteln: Linie, Fläche, Hell und Dunkel. Holzschnitt kann sich durch technisches Experimentieren, durch fragmentieren, verdrehen, überlagern und überdrucken von Flächenformen, Struktur und Farbe, in verblüffend malerische oder fotografische Wirkungen hinein entwickeln. Das Medium macht eine intensive unmittelbare Bildsprache möglich.

Die Sprödigkeit des Materials bedingt eine oft plakativ-flächige Wirkung des Drucks. In der materialgegebenen Widerspenstigkeit liegt für Annette Leyener die Faszination der Bearbeitung. Die wenig geschmeidige Kargheit des Holzes samt seiner irreparablen Verletzlichkeit fordern sie heraus zu individuellen Eingriffen mit diversen „Ritzinstrumeten“.

Das für die Technik des Holzdruckes spezifische Prinzip der Umkehrung (der eigentliche Druck entsteht durch den spiegelverkehrten Abdruck des bearbeiteten Materials) macht sich Annette Leyener programmatisch zu eigen. der künstlerische Eingriff beschränkt sich nicht auf den fertigen Abdruck auf einem Papier, sondern bildet eine organische Einheit mit seinem Entstehungsprozess. Der Druckvorgang selbst ist sichtbare Spur aktiver Veränderung. jeder Abdruck ist Ergebnis verschiedener, nacheinander ausgeführter Druckphasen mit zusammengesetzten Stücken. Ein Druckvorgang kann sich auf diese Weise nicht wiederholen.

Das grundlegende Prinzip der Zerstörung als Bedingung für neues Entstehen, das die Künstlerin hier aufgreift, hat eine lange geistige Tradition. Der markige Aufruf „Stirb und werde“ lässt sich als grundlegende Qualität von Kreativität verstehen. Die Wahrnehmung zunehmender Fragmentierung der Welt spiegelt sich in der Betonung der Bruchstückhaftigkeit in der Kunst. Das Bild als Umstülpung, als Verbindung der äußeren Schau mit innerer Erfahrung. Das scheinbare Paradox in der Wechselwirkung von kreativ-konstruktivem Potenzial und Destruktion hat Josef Beuys in dem schönen Satz: “in der Wunde liegt der König“ auf den Punkt gebracht. Als schmerzende Schnittwunde in der Hautoberfläche erscheint hier im übertragenen Sinn der sprichwörtliche Stachel, der das Denken ständig neu antreibt.

Es ist nicht nur das Wortspiel, das zu den „Schnitten“ Annette Leyeners zurückführt. Ihre Drucke vom Holz öffnen durch die spezifische Zeichnungsstruktur den Blick ins Innere, auf das Knochengerüst der Welt. Und das, was die Welt im Innersten zusammenhält, erinnert an das Entstehen des Holzdrucks: sie erscheint als Ereignis unaufhörlicher Transformationsprozesse, das die Schnittstellen ihrer Wandlung offen markiert.